Sonntag, 25. März 2012

Tag 3

Gestern war mein letzter Tag in Rauris und leider, leider...schon sind die Berge in weite Ferne gerückt.
Es ist ein enges, schmales Tal, das Gebirge läßt kaum Platz für die wenigen Dörfer entlang der Ache, die sich zwischen den Felsen hindurch windet. Vielleicht, denke ich jetzt, braucht es so einen Ort, um die Phantasie zum Blühen zu bringen. Je kleiner der äußere, desto größer der innere Raum - scheint es fast.
Vom gestrigen Tag sind mir besonders die Kindheitsgespräche in Erinnerung. Drei Autoren erzählten von ihren frühen Erfahrungen, von prägenden Menschen, ihren Ängsten und Träumen und von dem, was aus dieser Zeit in ihnen geblieben ist. Und das ist nicht wenig. Wieder einmal wurde klar, wie sehr die Kindheit in uns nachwirkt. Einerseits können wir ein Leben lang von den positiven Erlebnissen und Erinnerungen zerren, andererseits sind es oft traumatisierende Eindrücke, die uns ebenfalls begleiten und nicht loslassen wollen.  Zudem war interessant, dass sich die Autoren hinsichtlich ihrer Herkunft und ihres Alter unterschieden. So bekam man Einsichten wie es sich in der Ukraine vor dem Prager Frühling lebte, in Slowenien vor dem Balkankrieg und wie es einer kleinen Rumänin erging, die mit ihren Eltern ins Schwabenland emigrierte. Betroffene und lustige Momente wechselten ab und mit jeder Geschichte oder Anekdote wurden der Menschen hinter dem Bestsellerautor plastischer.
Am Nachmittag gab es für mich dann ein nächstes Highlight. Seit zwei Jahren gibt es in Rauris eine Schreibwerkstatt. Fünf Männer und zwei Frauen hatten sich die Aufgabe gestellt, inspiriert durch den Kurzgeschichtenband von Monika Helfer, selber Texte zu verfassen und diese der Autorin vorzulesen. In einer kleinen Gaststube trafen sie sich, lasen sich gegenseitig vor und tauschten ihre Erfahrungen über das Schreiben aus.
Die Abendveranstaltung begann um 18 Uhr und dauerte bis Mitternacht. Fünf Autoren und ihre Arbeit durfte man da kennenlernen. Jeden Einzelnen vorzustellen würde hier zulange geraten. Berührend wie ungewöhnlich war der Auftritt von Wang Jiaxin, einem der bedeutendsten chinesischen Dichter. Es wurde abwechselnd gelesen. Einmal der Autor in seiner Landessprache und dann der Übersetzer auf Deutsch. Der Klang der Sprachen erschien mir dabei so gegensätzlich, wie er unterschiedlicher nicht sein könnte. Als würde man ein Tonband rückwärts abspielen, als käme die Stimme aus einer verkehrten Welt. Und das stimmt vermutlich auch. Wie wenig wir doch wissen über diese fernöstliche Kultur, wie viel uns hier verborgen bleibt.
Das war's meine Lieben... hier endet mein Rauris-Blog... aber das Schreiben und Lesen geht weiter.

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