Donnerstag, 31. März 2011

Rauris

Ab heute bis Sonntag sind im schönen Rauris die Literaturtage.
http://www.rauriser-literaturtage.at/
Ein Fest für alle Freunde der geschriebenen Wirklichkeit.

Fahrradschloss

Gestern Abend, als ich auf den Bus gewartet habe, sind eine Frau und ein Mann langsam mit dem Fahrrad an mir vorbei gefahren. Die Räder waren neu und komplett identisch. Sportliche, schwarze Mountenbikes, eigentlich für Stadtfahrten ungeeignet. Es gab nur einen Unterschied und das war wirklich der einzige, der Mann hatte unter seinem Sitz ein rotes Fahrradschloss hängen. Brauchte die Frau kein Schloss? Ist doch ihr Bike genauso "wertvoll" wie das andere. Dann dämmerte es mir. Sie hatten geplant, immer gemeinsam, nie ohne den anderen, eine Radtour zu unternehmen. Damit war es klar, deshalb würde man auch nur ein Schloss benötigen, um die Räder aneinanderzuketten.

Montag, 28. März 2011

Arbeitswut

Sie schnaubte so sehr, dass sich ihre Nasenflügel zu Nüstern aufblähten.
Rot gefüllte Äderchen traten zu Scharren aus ihren Wangen.
Stirnrunzeln drückten gegen Augenbrauen, schoben sie wie Markisen über die an Grillkohle erinnernden Augäpfel.
Ihr gesamter Körper fühlte es, bebte in Erwartung dessen was kommen sollte.
Morgen, ja morgen wird sie mich packen, mit sich schleifen, nicht mehr loslassen.
Sie soll nur kommen, die, die, die... Arbeitswut

Verkündigung

Liebe Österreicher und Österreicherinnen,
es ist mir ein Anliegen ihnen mitzuteilen, dass es wenig zu sagen gibt über das es sich lohnen würde zu berichten.
Aus diesem alleinigen Grund, sehe ich mich genötigt diesem Post ein Ende zu bereiten.
In der Hoffnung, dass sie wieder von mir hören, wünsche ich allen eine
guten Start in die dreizehnte Kalenderwoche des Jahres 2011.
Hochachtungsvoll
Josef

Mittwoch, 23. März 2011

Grenzgänger

Sonne außen, Nebel innen.
Irgendwo dazwischen, ich,
ein ewiger Grenzgänger.

Montag, 21. März 2011

Vergessen

Heute Morgen bin ich ein paar Stationen früher als gewöhnlich aus dem Bus gestiegen. Ich wollte die Frühlingsluft und den beinahe wolkenlosen Himmel genießen, bevor ich wieder für acht Stunden auf meinem Bürosessel sitzen würde. Ich nahm die Abkürzung durch den Friedhof, der seinem Namen alle Ehre machte und das tat, was er am Besten konnte, Frieden ausstrahlen. Im Vorbeigehen fiel mir ein Grab mit einer brennenden Kerze auf, darüber die in den Grabstein eingemeißelte Jahreszahl 1992. In einer fast zwanzig Jahre andauernden Kette, hatte nun sie die Aufgabe gegen das Vergessen anzubrennen.  

Mittwoch, 16. März 2011

Verslein

Es war einmal ein Verslein,
das wollte keines sein.
Drum ging es sich besaufen
und kotzte Reim um Reim.

Dienstag, 15. März 2011

Wunschdenken

Was sagst du da?
Ist das die Möglichkeit, kann das wirklich wahr sein, wer hätte das gedacht, man stelle es sich nur ein Mal vor, darf ich es wagen daran zu glauben, all meine Hoffnungen darauf setzen, Tag und Nacht an nichts anderes denken, mich daran klammern, als wäre es der letzte Strohalm, ist es das Licht in der Nacht, der Goldtopf am Ende des Regenbogens, ist es über jeden Zweifel erhaben, lacht es über seine Spötter, ist es das Höchste aller Güter, bringt es die Erlösung von allem Übel, hält es ewig, bekommt man unendliche Garantie und nicht nur Gewährleistung, ist es spülmaschinenfest, verliert es nie seinen Glanz, kann man in der Not darauf zählen, ist es die Rettung in letzter Sekunde, fallen Weihnachten und Ostern zusammen, ist es das was ich immer schon wollte, die Antwort auf jeden meiner Wünsche?
> Denkpause <
Ãhhh......nöh

Donnerstag, 10. März 2011

Weltwunder

Bis heute gab es sieben Weltwunder.

Die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon
Der Koloss von Rhodos
Das Grab des Königs Mausolos II. zu Halikarnassos
Der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria
Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten
Der Tempel der Artemis in Ephesos
Die Zeusstatue des Phidias von Olympia

Auch jetzt, gibt es lediglich sieben Weltwunder.
Aber nur, weil ich heute Vormittag das achte gegessen habe.
Es war eine Offenbarung, ein überirdischer Genuss,
eine an Vollkommenheit denken lassende, auf den Punkt gereifte Ananas.

Mittwoch, 9. März 2011

Glitzer

Die Mittagspausensonne lud mich gestern zu einem kleinen Spaziergang ein. In der Mitte einer langen Reihenhauszeile, trat eine Frau mit Besen und Schaufel aus der Tür. Sie hatte eine enge Leggins an, die weder vorne noch hinten genügend Halt für ihre Leibensfülle bot. Trotz annähernder Windstille wehten lange, schlohweiße Haare um ihren Kopf.
Dann geschah etwas Unerwartetes, begünstigt durch den Blickwinkel zwischen ihr, der Sonne und mir.
Ein Sonnenstrahl erfasste ihre mit Glitzerwolle gehäkelte Weste, ließ die Frau für wenige Momente wie eine Feuerwerksrakete aufglühen, erstrahlen wie tausende Wunderkerzen auf einem Rockkonzert, ein Blitzlichtgewitter im Fußballstation, eine Diamantenmiene oder zumindest eine Swarovski-Boutique.

Montag, 7. März 2011

Was bleibt...

Ich hab weggeschaut, nur für einen kurzen Moment.
Dann war die Treppe wieder eine Ansammlung leerer Stufen.
Ich bin mir sicher, sie saß da, zeigte der Sonne ihr Sonnenbrillengesicht, ließ den Frühlingswind sie streicheln.
Was bleibt ist ein Bild, das gerade wegen der Unschärfe an Schönheit gewinnt.

Freitag, 4. März 2011

Selbstverliebt

Ob sie wüssten, wen sie da küssten?
Sie könnten's mir sagen, ich würd's vertragen.
Bin doch ich der eine welcher, soweit ich denke, auch kein Schlechter.
Wer ich bin, das ist die Frage. Möcht es wissen all die Tage.
Drum küss ich noch und nöcher, schies mit Amors Pfeilen aus dem Köcher.
Dass sie lieben allein mein Wesen, würd' ich gern in ihren Augen lesen.

Selbstgespräch

Man hört ihn so gut wie gar nicht, es ist weniger als Murmeln.
Sein Lippen öffnen sich kaum, lassen Laute nur in Bruchstücken nach außen.
Er spricht nach Innen, erzählt sich sein Leben vom Anfang bis zum Ende.

Mittwoch, 2. März 2011

Lebensmüde oder steifes Kreuz?

Gestern, bei der Busfahrt nach Hause, bin ich in der ersten Reihe gesessen. Dort sitze ich immer, wenn Ferdl den Bus lenkt. Er braucht Unterhaltung wenn er seine Motorengeschichten erzählt und ich bin ein dankbarer Kopfnicker, der sich nicht auskennt.
Wir wollten gerade einen älteren Radfahrer überholen, waren vielleicht noch einen Meter von seinem Hinterrad entfernt, als dieser plötzlich den Arm ausklappte und nach links ab bog. Es schien ihm völlig egal zu sein, ob der Bus noch abbremsen kann. Mit eingezogenem Kopf und starrer Körperhaltung querrte er die Fahrbahn, verfolgte stur seinen Kurs. Vielleicht hatte er uns auch gar nicht wahrgenommen. Ich weiß es nicht und Ferdl glaube ich ebenfalls.
Tja... die Frage bleibt wohl offen, ob der alte Mann ein steifes Kreuz und einen Gehörschaden hatte oder und das würde mich noch trauriger machen, dass er lebensmüde geworden, sich dem Schicksal der Strasse überlässt.