Samstag, 31. Dezember 2011

Auf ein Gutes...

»Ein gutes neues Jahr«
Hmm...
Warum eigentlich nur ein gutes, warum nicht ein wunderbares oder gleich das beste, das allerbeste Jahr. Warum so knausrig. Worte kosten nichts. Ein Superlativ nicht mehr, als ein fades »gut«.
Gut ist Durchschnitt, Mittelmaß. Nicht schlecht, aber auch nicht spitze. Ist es das, was wir uns einander zur Jahreswende wünschen? Es soll uns nicht super gehen und auch nicht mies. Wir sollen so halbwegs gut durchs Leben schlittern, das genügt.
Das klingt nicht gerade erbaulich. Wenn man kurz darüber nachdenkt, macht es dennoch Sinn. Wenn wir uns 2012 als das beste Jahr ever herbeiwünschen, kann es 2013 nur schlechter werden. Bis ans Ende unserer Tage geht es dann unaufhaltsam bergab.
Nein, dann schon lieber ein ausgewogenes, ausgeglichenes Jahr. Oder?
Hmm....
So richtig happy bin ich damit aber auch nicht. Irgendetwas in mir drinnen will das Beste im Leben erreichen, nicht nur das Durchschnittliche. Was das genau ist, muss ich erst noch herausfinden. Dennoch. Wenn ich immer mit »gut« zufrieden bin, wann soll ich dann richtig durchstarten. Wie groß ist die Gefahr diesen Zeitpunkt zu versäumen?
Hmm...
Vielleicht gibt es so etwas wie - das Beste - ja gar nicht. Vielleicht geht es immer besser und ein Menschenleben reicht ohnehin nicht aus. Dann könnte ich jederzeit unbeschwert Gas geben, ohne Angst gegen eine Mauer zu knallen. 
Hmm...
Könnte ganz schön mühsam werden. Immer mit dem Fuß auf dem Gaspedal, stets auf der Suche nach dem Besseren. Wenn ich das Beste sowieso nicht erreichen kann, warum dann ständig abstrampeln. Da mach ich doch lieber einen Wellnessurlaub. Stop. Das geht nicht. Das Nichtstun macht mich auf Dauer fertig. Ein ganzes Jahr Wellness, dass halt ich nicht aus. Ein Wochenende vielleicht, und das auch nur alle paar Monate.
Hmm..
Halt, jetzt hab ich‘s. Ich glaub‘ jetzt weiß ich, was ich euch wünschen möchte. Es sind sogar zwei Wünsche. Noch dazu widersprüchlich. Ein so genannter Doppelter-Gegenteil-Wunsch, weil ich mit einem einfachen Wunsch nicht sagen kann, was ich gerne möchte.
Ich wünsche euch einerseits Unzufriedenheit. Mit der Welt, so wie sie ist. Weil es immer Menschen braucht, die sich nicht mit vorgekauten Wahrheiten, Ungerechtigkeit und Halbherzigem begnügen.
Andererseits wünsche ich euch Zufriedenheit. Zufriedenheit mit den kleinen Schritten, die erreichbar sind, in einem Leben, das wir als Geschenk annehmen dürfen. Für beides ist Platz. Unzufriedenheit und Zufriedenheit gehören zusammen wie Tag und Nacht, Schwarz und Weiß oder ein Twinni.

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