Dienstag, 27. September 2011

Ein spannender Tag

Auf meinem Weg in die Arbeit gehe ich eine Baumallee entlang, die ein Stück weit neben Eisenbahnschienen führt. Zwischen Weg und Schienen befindet sich ein einfaches Geländer aus runden Metallstäben. Heute Früh habe ich eine frisch gefallene Kastanie aufgehoben und sie auf den Handlauf gelegt. Ich habe sie in dem Gefühl verlassen, dass sie dort einen guten Platz gefunden hat. Doch ihr Halt ist gefährdet. Vielleicht reicht ein Windstoß, vielleicht sind es die Erschütterungen, von Zügen verursacht, die vorbeirauschen. Viele Menschen werden heute an der Kastanie vorbeigehen. Sie könnte jemandem auffallen. Sie ist hübsch anzusehen, hat eine kleine niedliche Delle, glänzt. Ich weiß gar nicht was ich schöner finden würde. Jedenfalls wird es spannend. Wartet sie, bis mich der Arbeitsalltag wieder freigibt oder steckt sie jemand in die Hosentasche und nimmt sie mit nach Hause.

2 Kommentare:

Maria Appenzeller hat gesagt…

Eine Kastanie auf dem Handlauf. Ein seltsamer Platz. Warum hattest du das Gefühl, dass die Kastanie dort gut aufgehoben ist?

Josef hat gesagt…

Vielleicht nicht gut aufgehoben, im Sinne von einem sicheren Ort. Der Zug, die Fußgänger. Vieles hätte sie wieder von ihrem Thron stürzen können. Aber es war ein besonderer Aussichtsplatz. Noch vor kurzem, war sie eine Kastanie von vielen, die auf dem Boden lag und nun sah sie die Welt aus einem Blickwinkel, den sie sich nie hätte erträumen lassen. Vielleicht vergleichbar mit einer Reise ins Weltall, wenn man sich die Erde von oben ansehen kann. Solange sie am Baum hängen, sind sie ja noch in der Schale. Ein Neugeborenes kann sich nicht daran erinnern, wo es hergekommen ist. Das ist bei Kastanien vermutlich nicht anders. Und wenn es nur für kurze Zeit war. Vielleicht eine Stunde, vielleicht ein Vormittag, aber ich habe sie in dem guten Gefühl verlassen, dass sie gelebt hat.

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