Samstag, 4. Dezember 2010

Stille

Es ist Samstagabend, Josef ist allein Zuhause.
In den Nachbargärten hängen Glühbirnchengirlanden an Bäumen, leuchten Rentiernasen und klettern Weichnachtsmänner die Häuserfassaden hoch.
Die ideale Nacht, denkt Josef, heute will er es wissen.
Er stellt den Fernseher aus, nimmt die Batterie aus der Küchenuhr, schraubt den Wasserhahn fest zu, ja er dreht sogar das Licht aus. Nicht weil das wichtig wäre, nur weil er sich dann besser konzentrieren kann, so glaubt er.
Josef setzt sich im Schneidersitz auf den Boden und atmet flach. Manchmal hält er sogar den Atem an und schließt die Augen.
Nichts… es ist nichts zu hören. Genau das wollte Josef zwar erreichen, er wollte der Stille lauschen und dennoch… er ist enttäuscht und wird zunehmend ungeduldig. Es ist einfach nur still, nichts weiter. Kein Unterschied zu jeder anderen Stille. Es liegt keine besondere Qualität in dieser Ruhe, sie ist fast langweilig, denkt Josef. An der Nacht kann es nicht liegen, es ist die richtige Zeit, ja es liegt sogar Schnee, der im Schein der Lichterketten glitzert.
Dass der Advent, die stillste Zeit im Jahr sei, ist eben nur ein Spruch, sagt sich Josef schließlich,
so wie „die Hoffnung stirbt zuletzt“ oder „vorbei ist vorbei“.
 


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